Westfälischer Anzeiger, 08.02.2007
Klänge der Nacht
Lions Club Werne lud zu einem außergewöhnlichen Musikerlebnis mit Pianistin Erdmute Eicker und Komponist Stefan Heucke in den Rathaussaal
Werne. "Was machst du denn da", auf die Frage eines kleinen Mädchens an den Komponisten Grien im Zugabteil habe dieser geantwortet:" Ich schreibe Noten." "Müsstest du dann nicht schon tot sein?" Mit diesem humorvollen Einstieg in den Klavierabend lieferte Komponist Stefan Heucke einen kurzen Einblick in den steinigen Weg eines Komponisten.
Zu seinem 25 jährigen Jubiläum initiierte der Lions Club Werne a. d. Lippe im Rathaussaal einen Klavierabend mit "Werkstattcharakter" wie es Heucke ausdrückte.
"Vor 15 Jahren begann meine Frau Gabi wieder mit dem Klavierspiel. Ihr damaliger Klavierlehrer war Srefan Heucke. Dieser Kontakt blieb bis heute erhalten und nun wird er ihnen- als lebender Komponist-, zusammen mit der Pianistin Erdmute Eicker einen musikalisch unterhaltsamen Abend bieten", begrüßte der Präsident des Lions Clubs Wilhelm Weischer die Gäste im gut gefüllten Saal.
Zunächst plauderte Heucke etwas aus seinem und Eickers- Leben. 1959 in Süddeutschland geboren, entdeckte er schnell seine Liebe zur Musik. Nicht nur das Spiel auf der Blockflöte, auch das Interesse am Komponieren erster kleiner Stücke war schnell erwacht. Nach einem Musikstudium und Tätigkeit als Theorie Dozent an der Uni- Dortmund arbeitet er heute als einer der wenigen seiner Zunft haupt-beruflich als Komponist. Auftragsarbeiten für Institutionen, aber auch Privatleute zählen zu seinen Arbeiten. Die Oper "Das Frauenorchester von Auschwitz" ist beispielsweise eine Arbeit von ihm.
Eicker auf dem Flügel und Heucke mit den entsprechenden Erläuterungen verfolgten mit ihrem Auftritt das Ziel, anhand von fünf von Heucke komponierter "Nacht- Urnen" durch kurzes Anspiel die Verbindung zu den Preludes von Chopin hörbar zu machen.
Heucke verpackte dabei die manchmal nicht so leicht verdauliche Theorie durch seine unterhaltsame Erzählweise in eine Form, die das Interesse beim Zuhörer zu wecken wusste. Erdmute Eicker, ge-bürtige Amerikanerin, mit abgeschlossenem Musikstudium in Deutschland und Tätigkeit als freie Musikpädagogin und Pianistin, glänzte am Piano mit sehr gefühlvollem, teilweise auch sehr kraft-vollem Spiel.
Danach war dann die Bühne frei für eine Pianistin, die im Wechsel je vier Préludes von Chopin- einer Nocturne ("Nacht- Urne") von Heucke gegenüberstellte. Bemerkenswert bei der Nocturne Nr. 2 "Ciacona notturna"- nur für die linke Hand- und der Nocturne Nr. 3- "Unendliche Melodie- Melodie der Unendlichkeit" nur für die rechte Hand, die Perfektion der Pianistin, die einhändig wahrlich große musikalische Klippen zu umschiffen hatte. Sehr eindrucksvoll in der Nocturne Nr. 3 der ständig sich wiederholende Sekundenton, der immer den Bezug zur Unendlichkeit, der dahin ziehenden Zeit symbolisiert.
Insgesamt 24 Preludes von Chopin und fünf Nocturnes von Heucke spielte Eicker in den beiden Blöcken. Der Auftritt der beiden Künstler wurde vom Publikum mit viel Beifall bedacht. Im Anschluss des Konzertes standen Eicker und Heucke auch noch für Fragen des Publikums zur Verfügung.
Am Ausgang bat der Lions Club um eine Spende für die Werner Tafel.
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