Ruhr Nachrichten, 01.12.2005
Ankommen in Deutschland
Werne - Morgens halb zehn im Pfarrheim St. Johannes: Konzentriert, die Köpfe über die Bücher gebeugt,
sitzen etwa zehn Frauen und ein Mann im großen Raum und üben sich in deutscher Sprache und Grammatik.
"Wie viel kostet ein Kilo Kartoffeln"", "Wie finde ich die Bahnhofstraße"", "Mein Auto hat einen Platten,
können Sie mir helfen"", "Ist die Wohnung noch frei"" Fragen wie diese gehören zum Alltag, doch der wird
kompliziert, wenn man die Sprache nicht richtig beherrscht.
Dabei hilft jedoch seit über zwei Jahren Ursula Schwede. "Es ist eine Freude, wie fleißig meine Schüler hier
sind", ist die ehemalige Realschullehrerin von der Mitarbeit ihrer Schützlinge begeistert. Auch die Hausaufgaben
sind kein Problem. Niemand murrt.
In der Runde sitzen Frauen bunt gemischt aus der Türkei, Polen, Brasilien, der Dominikanischen Republik, aus Kenia,
von den Philippinen, aus der Ukraine und Sri Lanka. "Manche sind seit sieben Monaten, andere seit 20 Jahren in
Deutschland", erzählt Ursula Schwede, die den Deutschunterricht ehrenamtlich gibt.
Alles begann mit einer Dienstagsgruppe junger polnischer und russischer Frauen, einige Wochen später folgte ein weiterer
Kursus am Mittwochmorgen für junge türkische Mütter, die auch ihre Kinder mitbringen konnten. Inzwischen gibt es neben
den Anfängern auch schon Fortgeschrittene und für die spendete der Lions Club Werne an der Lippe, der den Sprachunterricht
unterstützt, gestern neben drei Grammatik- auch je 20 Lehr- und Arbeitsbücher. "Ankommen in Deutschland" heißen sie und
richten sich speziell an Aussiedler, Migranten und Flüchtlinge ohne Deutschkenntnisse. Die "Schüler" begleiten in den
Lektionen drei Familien (eine Aussiedlerfamilien, eine Familie aus Spanien und eine Flüchtlingsfamilie), so dass sich in den
Alltagssituationen jeder wiederfindet und schnell lernt. - FK
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